Portugiesisch essen an den St. Pauli Landungsbrücken

Die Sardinen: Gut, aber leider nicht perfekt Die Sardinen: Gut, aber leider nicht perfekt

Komisch: Wenn man in Deutschland ausländisch essen geht, landet man beim Italiener, Griechen oder Türken, manchmal im südamerikanischen Steakhaus. Man geht zum Chinesen, Thailänder oder zum Japanaer. Aber wann waren Sie das letzte Mal beim Portugiesen? Mir geht es so wie den Meisten: Ich habe in Portugal die leckere Küche genossen, zurück in Deutschland aber den Weg in ein portugiesisches Resturant selten gefunden. Das liegt natürlich auch daran, dass sie nicht so häufig zu finden sind. Also bin ich jetzt in Hamburg portugiesisch essen gegangen. Das ist in der Gegend an den "St. Pauli Landungsbrücken" nicht schwer, denn hier leben die Hamburger Portugiesen - es ist sozusagen das portugiesische Viertel Hamburgs. Und ich war im bekanntesten der zahlreichen Restaurants, im "Sagres".


Die Sardinen: Gut, aber leider nicht perfekt

1971 hat es eröffnet, seit den 80er Jahren betreibt Familie Da Guia das "Sagres" und direkt nebenan auch das "Sagres plus". Man findet es direkt auf der anderen Strassenseite an den Landungbrücken, ungefähr auf Höher der "Cap San Diego". Schick ist es nicht, aber gemütlich. Wenn der vordere Teil voll besetzt ist, gibt es im "Sagres" auch einen hinteren Raum mit viel Platz. Sofort fällt auf, das hier auch viele Portugiesen essen - immer ein gutes Zeichen für gute Küche. Mein Erlebnis im Restaurant war allerdings eher gemischt. Das lag vermutlich daran, dass ich am späten Nachmittag zum Essen kam. Allerdings: Wer durchgehend warme Küche anbietet, muss auch durchgehend gut sein. Aber der Reihe nach: Ich habe einen typischen Wein bestellt, einen kalten "Vinho Verde" im Steinkrug. Der junge Wein stammt aus dem Norden Portugals und ist so eine Art "Heuriger". Der war perfekt, richtig kalt und ein Pluspunkt.

 

Vorspeisen im "Sagres" auf einem Tapas-Teller

Vorweg gab es dann die gemische Platte- so eine Art portugiesische Tapas auf einem großen Teller. Das war gut, aber irgendwie doch ein wenig enttäuschend. Die Scampi waren kalt, ebenso die Ringe vom Tintenfisch. Der Schinken hingegen, mit einem Messer großzügig geschnitten, perfekt! Die Paprika ebenso, leicht mit Knoblach belegt. Aber insgesamt machte die Platte den Eindruck, als habe eine Küchenhilfe den Teller mit Produkten von gestern aus dem Kühlschrank belegt. Note 3 minus. Wäre der Scampi frisch gegrillt worden, der Tintenfischring warm, wäre es um Klassen besser gewesen. Das galt auch für das Zwischengericht: Gegrillte Sardinen. Die dufteten herrlich, waren aber zur Hälfte zäh. Mein Eindruck: Da hat jemand die vorgegrillten Sardinen nochmal auf den Grill gelegt. 3 von 6 Sardinen verdienen die Note 2, die anderen eine 3 minus. Abends, so hörte ich am Nebentisch, ist hier alles frisch und perfekt. Das werde ich demnächst mal testen.

 

Portugals Ess-Klassiker "Bacalhau" war ein Genuß

Ein Volltreffer war hingegen mein Hauptgericht im "Sagres": Bacalhau.So heisst die bei uns als Stockfisch oder Klippfisch bekannte Spezialität in Portugal. Es gibt wohl hunderte von Bacalhau-Rezepten in Portugal. Im "Sagres" hatte ich ihn gekocht mit Kohl, Kartoffeln und dem obligatorischen gekochten Ei. Alles war auf den Punkt, gut gewürzt, einfach lecker. Mit diesem Gericht war ich versöhnt, die Vorspeisen vergessen. Und als dann zum Schluss noch ein Medronho auf den Tisch kam, war ich sicher: Hierher komme ich mal (abends) wieder. Medronho ist der Schnaps aus den wilden Erdbeeren, der an der Algarve gebrannt wird - köstlich.