Hannovers Asia-Klassiker: Die "Ente von Peking"

Die Ente ist immer wunderbar knusprig Die Ente ist immer wunderbar knusprig

Meine erste chinesische Mahlzeit hatte ich, als ich ein kleiner Junge war. Das muß Anfang der 70er Jahre gewesen sein, und chinesisch war so ungefähr das exotischste, was man sich vorstellen konnte. Das hat sich gründlich geändert: Es gibt gefühlt heute mehr asiatische Restaurants als Parkplätze. Die wenigsten davon sind gut: Zu fettig, zu geschmacklos - und oft voller künstlicher Geschmacksverstärker. Gerade in Chinarestaurants ist oft Glutamat im Essen. Aber wer sucht, findet ausgezeichnete Asiaten. Einer der Klassiker und zugleich ältesten Chinarestaurants in Hannover ist die "Ente von Peking". Seit 1973 kocht Familie Tan in der Brühlstrasse.

Auch die Frühlingsrolle: Ohne Glutamat!

Aus Zufall kommt niemand hierher, in die Gegend zwischen Arbeitsamt und Universiät. Auch von der Hauptstrasse sieht man das relativ kleine Resturant nur schwer. Nein, wer in die "Ente von Peking" kommt, der will gut essen. Und kochen kann das Team um Chef Chen Tan. Gleich der erste Hinweis in der Karte ist toll: "Wir kochen ohne künstliche Zusätze und ohne Glutamat". Bravo! Wer mag, kann klassisch starten: Neben Frühlingsrollen gibt es auch die kleinen (vegetarischen) Tempelröllchen oder Yioa-Je, kleine Teigtaschen mit Fleisch und Kräutern gefüllt. Das ist gut, aber nicht so ungewöhnlich. Richtig lecker wird es, wenn man in die Dim Sum-Karte schaut.

 

Typisch chinesisch: Eine Auswahl "Dim Sum"

Die im Bambuskorb gedämpften Köstlichkeiten sind viel typischer für die chinesische Küche als Frühlingsrollen. Siu-Mei sind kleine Täschen aus Schweinfleisch und Teighülle, Har-Gau heissen die von Reisteig umhüllten Krabben. Anderer Teig, andere Füllung - die Dim Sum sind vielfälig in der "Ente von Peking". Wunderbar sind die Rettich-Küchlein mit Scampi und Gemüse oder die Teigtaschen mit geröstetem Schweinefleisch. Meine Empfehlung: Bestellen Sie einfach ein Körbchen mit verschiedenen Dim Sum, tauchen Sie die kleinen Happen mit den Stäbchen in die Sauce - genial! Dazu trinkt man grünen Tee, Wein oder auch ein chinesisches Tsingtao-Bier.


Die Ente ist immer wunderbar knusprig

Das berühmteste Gericht der chinesischen Küche ist die Peking-Ente. Die richtig hinzubekommen ist schwierig und verlangt großes Geschick. Beim Garen wird nämlich Luft gepumpt zwischen die Entenhaut und das Fleisch. Meist bekommt man Peking-Ente deshalb nur auf Vorbestellung. Nicht so in der "Ente von Peking" - da ist der Name Programm. Chen Tan und sein Team servieren klassisch: Entenfleisch und Entenhaut, dazu kleine Pfannkuchen aus Weizenmehl. Die werden mit einer fruchtigen Sauce bestrichen, mit hauchdünn geschnittenem Lauch belegt und mit Fleisch (oder Haut). Dann rollt man auf - und los geht der Genuß.

 

Die Peking-Ente kommt im Pfannkuchen

Natürlich ist die Peking-Ente gut, aber ich empfehle auch die anderen, wunderbaren Spezialitäten. Chinesische Küche ist nämlich vielfältiger als Frühlingsrolle und Ente. Lamm aus dem Wok mit frischem Koriander kann ich empfehlen oder die scharfe Hühnerbrust mit Chilli und Wasserkastanien. Deftig und super gut ist der Schweinebauch, doppelt gebraten und scharf. Den Tintenfisch gibt es mit Ingwer und schwarzen Bohnen. Auch vegetarisch speist man ausgezeichnet in der "Ente von Peking": Vorweg zum Beispiel die Gemüsesuppe mit Tofu und Senfgemüse. Dann die Auberginen, die mit Ingwer und Knoblauch in Pflanzenöl gegart werden.

 

In China beendet eine Suppe das Essen

Vegetarisches Hauptgericht könnte dann Pak-Choi sein - grünes chinesisches Gemüse. Oder geschmorte Tongupilze mit Frühlingsbambus. Wunderbar! Beim Nachtisch gibt es zwei Möglichkeiten: Süß mit den kleinen Reisbällchen, die aussen eine knusprige Sesamkruste haben und innen eine Füllung aus süßen roten Bohnen. Oder man macht es richtig chinesisch und ißt hinterher eine heisse Suppe. Eine Entenbrühe zum Beispiel oder eine Suppe mit Meeresfrüchten. Und dann empfehle ich hinterher noch einen der wunderbaren chinesischen Schnäpse wie den Jao-Jiang (aus Reis) oder Mao-Tai. Aber Achtung: Die haben beide weit mehr als 50 Prozent Alkohol.

Ich wünsche guten Appetit!