Frischer Wind im "Graf Luckner" am Zwischenahner Meer

Wenn das nicht erfreulich ist: Im "Graf Luckner" wird wieder bestens gekocht. Das Restaurant im "Seehotel Fährhaus" hat turbulente Zeiten hinter sich. Doch seitdem Hotelier Hans-Georg Brinkmeyer wieder selbst die Geschäfte führt, kehrt Ruhe ein in dem schmucken Restaurant direkt am Zwischenahner Meer. Die neuen Küchenchefs zaubern da Bemerkenswertes auf den Teller. Sie schaffen dabei einen gelungenen Spagat: Kochen für das Stammpublikum und Kochen für neue Zielgruppen. Selten habe ich besser gegessen als im "Graf Luckner".

Das "Graf Luckner" liegt herrlich am Meer. Aus dem gemütlichen Restaurant blickt man auf das Meer. Zwei Torfkähne schaukeln im leichten Wellengang. Im Sommer sitzt man in den bequemen, modernen Sesseln auch auf der Terasse und lauscht dem leichten Wind und den Möwen. Nein, das "Graf Luckner" ist kein moderner Designtempel. Aber nach der Renovierung ist alles frischer und klarer im Restaurant. Abends werden hier die Hotelgäste verwöhnt. Sie kennen seit Jahren die verlässliche Quaität der Küche. Seit kurzem kommen aber immer mehr und immer öfter a-la-carte-Gäste ins "Graf Luckner".

Ich muss jetzt mal von meinem Testmenü schwärmen. Vorweg gab es "Jacobsmuscheln und Pommersches Rostbeef auf kandiertem Kürbis". Das Fleisch perfekt gegart, würzig und ein herrlicher Kontrast zum kandierten Kürbis. Die Jacobsmuschel dazu kurz in der Pfanne geschwenkt - so wie es sein soll. Aber es passt perfekt tzusammen im "Graf Luckner". Jedes Gericht ist mehr als die Summe der einzelnen Zutaten. Das gilt auch für die zweite Vorspeise: "Zweierlei vom Wildgeflügel auf Orangenchicoree und Pfifferlingen". Die Küche hat den Mut, dem Chicoree seinen Eigengeschmack zu lassen, die Pilze nicht tot zu schmoren und die Wachtel nach Wachtel schmecken zu lassen.

Und was perfekt bei den Vorspeisen begann, setzte sich bei den Hauptgerichten fort. Beim Fleisch schmeckte das "Rinderfilet auf Bohnencassoulet mit gegrillter Polenta". Als Fischgang gab es "Saltimbocca vom Zander mit Ziegenkäserisotto". Der Zander kommt übrigens aus dem Zwischenahner Meer. Und das Risotto habe ich auch bei einem Italiener selten besser gegessen. Der Ziegenkäse gibt dem Gericht eine ungewöhnliche Note, aber wie alles aus der Küche ist das sehr stimmig. Dabei sind die Preise für das Menü durchaus moderat. 3 Gänge dieser Spitzenküche ksoten 30 €, bei 4-Gang-Menü sind es 35 €. Und für den 5-Gang-Genuß zahlt der Gast 39 €. Jeder €uro ist sein Geld wert.

Natürlich gibt es auch Leckereien außerhalb der Menüs. Die neue Karte bietet zum Beispiel ein Entenleberparfait mit Birnenkompott und geröstetem Früchtebrot - einfach genial. Dir Nordsee ist nicht weit in Bad Zwischenahn, und deshalb steht natürlich auch eine Seezunge auf der Karte, ganz zart und ganz klassich mit Kartoffeln, Gemüse und Gurkensalat. Wunderbar ist auch der "Snittjebraten", eine regionale Spezialität vom Schwein, der mit Kartoffelgratin (herrlich!) und breiten Bohnen serviert wird. Und wenn dann der kulinarische Genuß ausklingt mit "Mohnmousse und Zwetschenröster" - dann fehlt nur noch der Sonnenuntergang am Zwischenahner Meer für einen perfekten Abend. Übrigens: Wer in der herrlichen Weinkarte fündig wird und nach dem Essen einen Digestiv trinkt - der kann im "Seehotel Fährhaus" auch bestens übernachten.